Bähm!

Du hast einen Moment nicht aufgepasst und schon ist es geschehen! Du kannst es nicht rückgängig machen, denn die Zeiger drehen sich weiter. Tick, Tack! Jeder Sekundenschlag geht dir unter die Haut. Das scheinbar leise Geräusch nimmst du sekündlich wie eine riesige Explosion wahr. Nur du und das Läuten jeder Sekunde.

Während du über die Ereignisse der letzten Tage philosophierst beginnt dein Körper beim Lauschen zur Klaviermusik sich allmählich zu beruhigen. Deine Gedanken fühlen sich nicht mehr ganz so ziellos an. Du hast das Gefühl, sie haben sich ausgetobt und ziehen sich für einen Moment zurück. Wenn auch nur für den einen Moment.

Du solltest die Musik weiterspielen lassen. Sie lenkt dich ab. Auf eine merkwürdige, ja beinahe unbeschreibliche Art und Weise, lässt sie dich zur Ruhe kommen. Oh, sieh einer an. Eine neue Melodie erklingt. Sie strahlt Hoffnung aus. Soeben hat sie sich sekundenschnell in dein Herz geschlichen und es zum Lächeln gebracht. Die eben noch so schmerzhaften Sekundenschläge haben sich in zauberhafte Klavieranschläge verwandelt.

Und trotzdem liegst du zugedeckt in deinem ach so warmen Bettchen. Sicher fühlst du dich, geborgen. Das zumindest versuchst du dir einzureden. Während du deine Gedanken ahnungslos in den Rechner eintippst nimmst du im rechten Augenwinkel das stille Handy wahr. Wird er anrufen?

Er sollte anrufen! Meinetwegen. Doch er tut es seinetwegen. Er hat sich verrannt. Ich sollte das unterbinden! Ja, das sollte ich wirklich. Was tun, wenn er sich noch mehr verrennt? Schon jetzt fühle ich mich zeitweise überfordert. Und dennoch hat er sich ungefragt den Stammplatz in meinem Kopf unter den Nagel gerissen.

“Kann ich dich anrufen? Nach 18 Uhr?” Die Uhr schlägt 17:11 Uhr. Wird er anrufen?

4 Kommentare

  1. Geheimrat sagte,

    Dezember 16, 2009 um 2:19 pm

    Nun, ich hoffe, er hat angerufen …
    Doch auch wenn das Herz bei einem eventuell ausbleibenden Anruf ganz eng geworden ist und die Luft zum Atmen sich mit einem Messer den Weg in die Lungen bahnen muss: Es gibt immer ein Morgen. Das kann zwar nicht mit DEM Morgen danach mithalten – doch das Morgen hat den Vorteil, gänzlich unbelastet zu sein. Ein Morgen danach ist immer auf die (sei es noch so schöne) Vergangenheit fixiert. Das Morgen ist noch völlig ungebunden …

    Liebe Grüße vom ollen Geheimrat, der schon so manche Morgen hat kommen und gehen sehen ;-)

  2. Optimistin sagte,

    Dezember 22, 2009 um 9:47 am

    Tolle bildhafte Beschreibung! Manchmal fühlt es sich wirklich so an, als bräuchte man ein Messer, um endlich wieder nach Luft schnappen zu können.

    Aber es lässt sich ganz gut atmen, denn wieder einmal hast du Recht. Ob wir es wollen oder nicht, die Welt dreht sich weiter, die Uhren laufen weiter und der nächste Morgen wartet schon wieder darauf, von uns erobert zu werden!

  3. Geheimrat sagte,

    Januar 19, 2010 um 8:10 pm

    Und, hast Du schon einen Morgen erobert?

  4. Optimistin sagte,

    Januar 19, 2010 um 9:02 pm

    Oh ja, und ob. Denn jeder Morgen, in meiner kleinen Welt, ist MEIN Morgen! Auch wenn der Rückblick am Abend keine Zufriedenheit aufkommen lässt, so trübt der Schein. Denn möglicherweise nicht gleich den nächsten Morgen, doch einige oder viele Morgen später versteht man und beginnt zu lernen. Jede Medaille hat 2 Seiten. Und schlechte Erfahrungen bleiben dennoch Erfahrungen. Erfahrungen, die das Leben prägen und aus denen man lernen darf :) Vor wenigen Tagen hatte ich einen solchen Morgen!

    Liebe Grüße an dich, Geheimrat!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.