Wahrheit – Schenkt mir Wahrheit!

[November 2009] Ehrlichkeit. Sie ist das, was wir wollen, aber sie ist zugleich eine solche Last. Ist man unehrlich, verliert der andere Vertrauen, ist man zu ehrlich, verliert der andere Halt.

Es ist verführerisch mit dem Feuer zu spielen. Es ist reizvoll, anzudeuten, anzustupsen. Und doch haben wir alle diese Momente, in denen wir dieses ewige Gespiele einfach nur noch beenden wollen. Stattdessen wollen wir die Wahrheit, wir wollen nackte Tatsachen.

Und plötzlich steht sie vor dir. Du musst nichts interpretieren, nichts deuten, nichts hinterfragen, denn die Antworten liegen flach auf der Hand. Du kannst nichts dagegen machen, denn während du draußen vor der Tür das Nikotin inhalierst, zieht ein großer Sturm auf und peitscht dir die Wahrheit förmlich um die Ohren. Du warst nicht vorbereitet, nicht auf diese Art Wahrheit. Und so versuchst du standhaft zu bleiben, doch du gerätst ins Wanken.

[März 2010] Tatsächlich! Ich geriet ins Wanken. Und was viel schwerer  zu akzeptieren war, viel härter festzustellen: Ich war gefallen. Auf meinen großen Mund, meine abenteuerlustigen Augen, auf meine neugierige Nase! Werft mir vor, in Selbstmitleid zu verfallen, denn ihr habt Recht! Doch es tat so furchtbar weh. Ich fühlte mich hilflos, schwach, zerbrechlich und vorallem unverstanden. Meine Glieder schmerzten, mein Kopf zu voll, um ihn zu nutzen und mein Rückrad schien angebrochen.

Was bleibt ist eine neue Optik. Eine neue Brille, die dem Leben einen ganz neuen Blickwinkel schenkt! Selbstverständlich versteckt ein neues Nasenfahrrad keine hinterlassenen Spuren, aber es macht sie erträglicher.

Und was wäre das Leben ohne Narben? Ein Leben ohne Geschichten, ohne Erzählungen und ohne Erfahrungsprozesse! Ich will leben!

5 Kommentare

  1. Geheimrat sagte,

    März 6, 2010 um 3:05 pm

    Ich schrieb vor kurzem (ich neige ja dazu, mich selbst zu zitieren ;-) ): Bei wem das Leben keine Spuren hinterlässt, der hinterlässt auch keine Spur im Leben!
    Nun, natürlich liege ich damit richtig. Aber ich bin ja auch ein alter Sack und verfüge über mehr Lebenserfahrung, als so manchem lieb sein sollte. Du bist hingefallen? Bravo! Das passiert und wer wieder aufgestanden ist bekommt eine Ahnung davon, über welche Achterbahn sein Leben führt. Vivere militare est! Gratuliere zum neuen Nasenfahrrad. Nutze es, um mit offenen Augen, aber durchaus mit verträumtem Blick, durch das zu streifen, was wir Leben nennen. Viel Spaß dabei :D

  2. Rex sagte,

    März 8, 2010 um 9:03 am

    Mal wieder: Ein schöner Text.
    Ich hasse es, mich zu wiederholen. Doch in deinem Fall muss es einfach sein.

  3. Optimistin sagte,

    März 24, 2010 um 11:27 am

    Lieben Dank euch Beiden :)

  4. Josh sagte,

    Juli 6, 2010 um 2:31 pm

    Ich vermisse deine Blogposts.
    Würde mich über einen neuen sehr freuen.

    Gruß,
    Josh

  5. Optimistin sagte,

    Juli 8, 2010 um 8:37 am

    Hallo lieber Josh,

    ich freue mich immer sehr, soetwas lesen zu dürfen & zeitgleich möchte ich es besser machen. Ich habe in letzter Zeit viele Bücher lesen können und hoffe, die dadurch gewonnene Inspiration demnächst umsetzen zu können :)

    Dennoch lieben Dank :)

    Viele Grüße


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